Porträt

von Herbert Marxer

Da begriff ich plötzlich, dass es so nicht mehr weiter geht

Mit seiner bereits 50-jährigen Tätigkeit als Funktionär beim USV Eschen/Mauren gilt Benno Gerner als Urgestein des Vereins. Bis heute setzt er sich täglich für ihn ein.

Der Traum von Benno Gerner war es einst, Torwart zu werden. Als er dann 1964 mit seiner Lehre bei der VP Bank, der er bis zu seiner Frühpensionierung treu blieb, ­begann, trat er dem FC USV Eschen/Mauren bei. «Leider verloren wir mit mir als Torwart das erste Punktespiel gegen den FC Ruggell mit 0:16. Da ich aber einen guten Schuss hatte, meinte mein Trainer, dass ich im Feld wohl besser aufgehoben wäre», erzählt Benno Gerner. Als er dann im nächsten Spiel im Einsatz war, schoss er gleich sein erstes Tor. Jedoch nahm seine Karriere als aktiver Spieler ein abruptes Ende, als ihm die Ärzte wegen seiner Lunge eine Zwangspause verordneten. Danach kam er nie wieder richtig in Schwung, da er während der Pause einige Kilos zunahm. Hinzu kam 1972 ein komplizierter Bruch am Fuss, der seiner sportlichen Karriere ein endgültiges Ende setzte. 

So nahm er bereits 1969 seine Tätigkeit als Funktionär beim Verein auf. Er war Coach, Protokollführer, im Vorstand und ist noch heute Mitglied der Transferkommission und ehrenamtlicher Mitarbeiter, welcher für den Spielbetrieb wie die Einteilung der Spiele zuständig ist. In Erinnerungen schwelgend erzählt er von seinen Höhepunkten: «Ein sensationelles Ereignis war 1970, als wir, ich war damals der Coach, mit der zweiten Mannschaft in einem Derby die erste Mannschaft des FC Ruggell geschlagen haben. 1976 sind wir mit zwei Mannschaften gleichzeitig aufgestiegen und gewannen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Liechtensteiner Aktivcup.»

Viele gute Freundschaften
Auch im Gemeinderat war der Eschner 16 Jahre lang (1995 bis 2011) in verschiedenen Ressorts tätig. Als er Vorsitzender des Sportparks wurde, legte er jedoch seine Tätigkeiten im Vorstand des Vereins nieder. Er blieb aber ehrenamtlicher Mitarbeiter und wurde ein Jahr später Protokollführer. All die Tätigkeiten zeigen, wie viel Benno Gerner der Verein bedeutet. Er gestaltete den USV wesentlich mit. «Auf alle Fälle hat er mir viele gute Freundschaften beschert und als geselliger Mensch habe ich den Zusammenhalt im Verein sehr genossen», schwärmt er. Auch nach seiner Frühpension 2006 bis heute arbeitet er fast täglich für den USV. 

Vereinsgeschichten von früher könnte der 71-Jährige etliche erzählen. So berichtet er vom ehemaligen Maskottchen des Vereins, einer Ziege, die in den 70er-Jahren die Spieler an die Wettkämpfe begleitete. Sogar als der USV Eschen/Mauren einen Unterhaltungsabend veranstaltete, durfte sie mit auf die Bühne. «Wenn wir ihr eine Zigarette reichten, kaute sie darauf herum und spuckte den Filter aus», erzählt er. Sie lebte mit anderen Ziegen auf einem Bauernhof. «Um ihr Wohl waren wir stets besorgt», betont er. Weiter erzählt der Rentner von einem Fussballspiel in Au: Von einem früheren Fest befanden sich noch zwei Flaschen Williams im Auto. «Damals kümmerte sich die Heimmannschaft um den Pausentee», beginnt er zu erzählen. Als dann die Pause eintrat, führte der USV mit 2:1. Die Spieler machten sich daran, den Tee mit Schnaps zu verdünnen. «Das war im Nachhinein betrachtet keine gute Idee gewesen», schmunzelt Benno Gerner, denn der USV verlor seinen Vorsprung und musste sich mit 2:8 geschlagen geben. 

Award für Engagement erhalten
An einer Generalversammlung erwähnte der Präsident des Vereins einmal scherzhaft, dass Benno Gerner der einzige Funktionär sei, der für das Arbeiten bezahle. «Ich spendiere gerne mal etwas und unterstütze die Spieler, so ist er auch darauf gekommen. Doch mache ich das nicht nur im Sport, sondern auch im kulturellen wie sozialen Bereich», ergänzt er. «Die Vereine haben es schliesslich nicht leicht.» 

Für seinen Einsatz erhielt der Eschner im Jahr 2010 vom LFV den Award als «Freiwilliger des Jahres». Er zeigt sich noch immer sehr erfreut über diese Anerkennung seiner Arbeit, auch dass sie so geschätzt wird – er brauche kein Geld dafür. Während seiner über 50-jährigen Mitgliedschaft im Verein gab es aber auch Momente, an denen er ans Austreten dachte. «Wann genau diese Gedanken aufkamen, weiss ich nicht mehr so genau. Aber es hat schon einige Hochs und Tiefs gegeben», erinnert er sich. Meistens sei er dann eben einen Kompromiss eingegangen. Eine Niederlage im Spiel sah er jeweils als Zeichen für einen Neustart und rappelte sich mit der Mannschaft wieder auf.

 

50 Kilogramm abgenommen 
Einen persönlichen Neuanfang wagte er nach seiner Frühpensionierung: «Kurze Zeit später wog ich 150 Kilogramm und ich bekam Probleme. Da begriff ich plötzlich, dass es so nicht mehr weitergeht.» Also suchte er sich professionelle Hilfe. Doch als 2011 sein Bruder an einer Hirnblutung starb, hinterfragte er seinen neuen Lebensstil und gab kurzfristig auf. 

Seit Spätsommer 2013 hat Benno Gerner eine Personal Trainerin, die im Frühjahr 2015 auf ihn zukam und dazu überredete, das Programm von 2007 wieder aufzunehmen. Nach drei Jahren Sport und Diät (Low Carb) hat er stolze 50 Kilogramm abgenommen. Jede Woche geht er Laufen und ins Fitness, wird dabei gecoacht und von einer Ernährungsberaterin begleitet. «Meine alte Regenjacke dient mir als Motivator. Wenn ich sie heute anziehe, dann kann ich den Umfang eine Armlänge weit ausstrecken. Sie zeigt mir, was ich alles geleistet habe.» Zu Beginn seines Programms konnte er kaum 200 Meter weit gehen, ohne Schmerzen zu verspüren. Heute läuft er zehn Kilometer und macht dabei 300 Höhenmeter ohne Erschöpfungserscheinungen. «Am Anfang war das unmöglich, ich war so mit Atmen und meinen Tritten beschäftigt. Jetzt geht es ganz leicht», freut er sich. Er habe nun einiges nachzuholen, denn er hat die Freude am Laufen entdeckt. Einen unglaublichen Wandel, wenn man bedenkt, dass Benno Gerner von 1972 bis 2007 gar keiner sportlichen Aktivität nachging und heute vier bis sechs Mal die Woche Sport betreibt. Er zeigt also, dass es nie zu spät ist, einen Neuanfang zu wagen. (ms) "LIEWO" vom 29.09.2019

 

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